Die Neugier als Kompass: Stellen Sie die richtigen Fragen, bevor Sie handeln
- Eva Jenisch

- 21. Jan.
- 2 Min. Lesezeit

Zu den kostspieligsten Misserfolgen, die ich erlebt habe, gehörten nicht etwa Fälle von schlechter Umsetzung, sondern von übereiltem Handeln. Teams stürzten sich voller Zuversicht in die Lösungsfindung, nur um später festzustellen, dass sie den falschen Teil des Systems optimiert hatten. Neugier ist mehr als nur eine soziale Kompetenz. Es handelt sich um eine strategische Fähigkeit, die darüber entscheidet, ob ein Unternehmen seine Kräfte dort einsetzt, wo sie tatsächlich etwas bewirken. In Umgebungen mit engen Zeitvorgaben und hohen Compliance-Anforderungen sind präzise Fragen im Vorfeld der eigentliche Beschleunigungsfaktor.
❓ Warum Neugier im operativen Geschäft wichtig ist
Neugier verlagert den Fokus von der Umsetzung auf das Verständnis. Wenn es um operative Verbesserungen geht, fangen viele damit an, Symptome zu behandeln. Hier eine Abweichung, dort eine Verzögerung, noch ein zusätzlicher Überprüfungsschritt „nur um sicherzugehen“. Aber ohne Verständnis für die zugrunde liegenden Mechanismen sind Verbesserungen selten von Dauer. Neugierige Teams halten lange genug inne, um zu fragen, was das Verhalten des Systems antreibt. Dieser kurze Moment des Innehaltens am Anfang spart oft später Wochen an Zeit.
🔍 Die Fragen, die verborgene Hindernisse aufdecken
Bei Neugier geht es nicht um Quantität, sondern um Präzision. Erfahrene Mitarbeiter und Führungskräfte drängen frühzeitig auf Klarheit. Zu den besonders wirkungsvollen Fragen gehören:
Was genau tritt auf, wenn der Prozess fehlschlägt?
Welche Annahmen wurden nie verifiziert?
Welche Daten widersprechen unserer Darstellung?
Wer ist am stärksten von diesem Problem betroffen und was können wir von diesen Personen lernen?
Diese Fragen decken Schwachstellen auf, die oft übersehen werden, wenn sich alle auf Lösungen stürzen.
🧪 Ein praktisches Beispiel aus der Fertigung
Im Rahmen eines Produktionsoptimierungsprojekts in kam es aufgrund häufiger Engpässe zu Verzögerungen. Zunächst wurde angenommen, dass die Anlagen technisch aufgerüstet werden müssten. Bevor jedoch finanzielle Mittel freigegeben wurden, haben wir gemeinsam mit dem Team die wichtigen Entscheidungspunkte überprüft. Dabei wurde schnell ein Muster erkennbar: Die Mitarbeiter unterbrachen den Produktionsablauf häufig, weil sie sich nicht sicher waren, ob grenzwertige Chargen weiterverarbeitet werden konnten. Dies führte zu Unsicherheiten, erneuten Überprüfungen und einer Kettenreaktion kleinerer Verzögerungen.
Eine Reihe gezielter Fragen zeigte, das Problem lag nicht in der Technik, sondern im Fachwissen. Ein kurzes Schulungsmodul, klarere Entscheidungskriterien und eine direkte Kommunikationsverbindung zur Qualitätssicherung beseitigten die meisten Ausfälle. Keine neuen Anlagen. Kein grosses Budget. Nur mehr Klarheit.
🗝️ Neugier als Beratungsansatz
Beraterinnen und Berater, die Neugier vorleben, helfen Organisationen, erst zu verstehen und dann zu handeln. Anstatt vorgefertigte Lösungen aufzudrängen, machen wir blinde Flecken sichtbar, hinterfragen lang gepflegte Annahmen und bringen Unsicherheiten frühzeitig ans Licht. So entsteht eine Kultur, in der Verbesserungen intern vorangetrieben werden und auf Verständnis statt auf Aktionismus beruhen.
⭐ Erste Schritte auf dem Weg zu einer neugierigen Denkweise
Sie brauchen kein Transformationsprogramm, um mehr Neugierde in den Arbeitsalltag zu bringen. Drei einfache Praktiken können schon viel bewirken:
Beginnen Sie jede Verbesserungsdiskussion mit einer klärenden Frage.
Fordern Sie die Teams auf, nicht nur zu erklären, was genau passiert, sondern auch, warum sie glauben, dass genau das passiert.
Legen Sie eine kurze Pause ein, bevor Sie mit der Lösungsfindung beginnen.
Mit der Zeit wird die Neugier zu einem Kompass, der zu fundierteren Entscheidungen und zu schnellerem Fortschritt führt.
Beschäftigen Sie sich aktuell mit einem komplexen betrieblichen Problem und suchen Sie eine externe Perspektive? Zögern Sie nicht, mit uns Kontakt aufzunehmen.




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